Zum Inhalt springen
Blog
11. Juli 2025

den eigenen weg weiterdenken

der nächste karriereschritt ist nicht automatisch der richtige

Im juristischen Umfeld wirkt Karriere oft erstaunlich logisch.

Studium. Berufseinstieg. Spezialisierung. Mehr Verantwortung. Vielleicht Partnerschaft. Vielleicht Führung. Vielleicht irgendwann die eigene Kanzlei oder der Wechsel in eine andere Rolle. Von außen kann das sehr klar aussehen.
Und trotzdem kommt irgendwann der Punkt, an dem sich eine einfache Frage nicht mehr so einfach beantworten lässt:
Will ich das wirklich?
Nicht: Kann ich das? Nicht: Trauen andere mir das zu? Nicht: Wäre es der nächste logische Schritt? Sondern: Passt dieser Weg tatsächlich zu mir?
Ich erlebe oft, dass genau an diesem Punkt Bewegung entsteht. Nicht unbedingt, weil etwas grundsätzlich falsch läuft. Sondern weil das bisher Selbstverständliche plötzlich überprüft werden will.

Wenn der nächste Schritt scheinbar schon feststeht

Gerade leistungsstarke Jurist:innen sind es gewohnt, Ziele zu verfolgen, Verantwortung zu übernehmen und sich durch anspruchsvolle Phasen zu arbeiten.
Das funktioniert lange gut.
Bis ein nächster Schritt nicht mehr nur eine fachliche Frage ist.
Partnerschaft kann attraktiv sein – aber vielleicht nicht unter allen Bedingungen.
Führung kann der nächste Schritt sein – aber vielleicht braucht es erst ein eigenes Verständnis davon, wie man führen möchte.
Ein Wechsel kann sinnvoll erscheinen – aber vielleicht ist noch gar nicht klar, was stattdessen entstehen soll.
Selbstständigkeit kann reizen – und gleichzeitig Fragen nach Sicherheit, Energie, Identität und Verantwortung aufwerfen.
Dann reicht die sachliche Betrachtung oft nicht mehr aus.
Denn plötzlich geht es nicht nur um Optionen. Sondern um die eigene Rolle, Erwartungen, Ambitionen, Werte, Lebensrealität und die Frage, wie man sich selbst in diesem nächsten Kapitel erleben möchte.

Fachlich bereit heißt nicht immer, innerlich angekommen zu sein

Ein Rollenwechsel kann im Außen längst vollzogen sein, während die innere Bewegung noch Zeit braucht. Jemand wird Partnerin, weil die fachliche Leistung stimmt, übernimmt Führung, weil Kompetenz und Erfahrung da sind, oder gründet, weil sich die Gelegenheit bietet. Formal ist der Schritt getan. Innerlich beginnt damit oft erst die eigentliche Auseinandersetzung.
Denn mit einer neuen Rolle verändern sich nicht nur Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Es stellt sich auch die Frage, wie diese Rolle persönlich ausgefüllt werden soll. Was bedeutet Verantwortung für mich? Wie möchte ich Entscheidungen treffen? Wie sichtbar möchte ich sein? Welche Erwartungen passen zu mir – und welche übernehme ich vielleicht nur, weil ich glaube, dass man es in dieser Rolle eben so macht?
Genau hier liegt für mich ein wichtiger Entwicklungsschritt: Aus äußerem Rollenwechsel wird innere Positionierung.
Das bedeutet nicht, jede Unsicherheit möglichst schnell aufzulösen. Im Gegenteil. Häufig lohnt es sich, sie ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. Unsicherheit kann ein Hinweis darauf sein, dass die neue Rolle noch nicht vollständig mit der eigenen Haltung, den eigenen Vorstellungen oder den tatsächlichen Rahmenbedingungen verbunden ist.
Im Coaching entsteht dann Raum für eine Auseinandersetzung, die im beruflichen Alltag oft zu kurz kommt. Nicht nur sachlich darüber hinwegzugehen, sondern wirklich zu klären, wie man die neue Verantwortung übernehmen möchte, was dafür gebraucht wird und was sich im eigenen Denken, Entscheiden und Handeln verändern darf.

Ambivalenz ist kein Problem, sondern Information

Ambivalenz wird schnell als Unentschlossenheit verstanden. Dabei ist sie oft ein sehr genauer Hinweis darauf, dass mehrere berechtigte Bedürfnisse gleichzeitig wirken. Wer beispielsweise mehr Verantwortung übernehmen möchte und gleichzeitig spürt, dass bestimmte Rahmenbedingungen nicht passen, ist nicht automatisch „noch nicht so weit“. Vielleicht zeigt sich darin vielmehr, was für einen tragfähigen nächsten Schritt noch geklärt werden muss.
Gerade bei beruflichen Übergängen lohnt es sich deshalb, diese Spannung nicht vorschnell aufzulösen. Vielleicht reizt die Partnerschaft, aber nicht um den Preis permanenter Verfügbarkeit. Vielleicht ist eine Führungsrolle fachlich der logische nächste Schritt, gleichzeitig fehlt noch ein eigenes Bild davon, wie Führung aussehen soll. Vielleicht wächst der Wunsch nach Selbstständigkeit, während Sicherheit, Energie und Lebensrealität ebenso ernst genommen werden wollen.
Im Coaching geht es dann nicht darum, eine Seite dieser Ambivalenz „wegzumachen“. Interessanter ist, genauer zu verstehen, was hinter den verschiedenen Stimmen steckt. Was ist tatsächlich wichtig? Welche Erwartungen kommen von außen, welche aus der eigenen Person? Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit sich ein Schritt nicht nur vernünftig, sondern auch tragfähig anfühlt? Auf diese Weise wird aus vermeintlicher Unentschlossenheit oft eine wesentlich differenziertere Entscheidungsgrundlage.

Nicht nur das Ziel, sondern auch die Bedingungen zählen

Ein Ziel allein sagt noch wenig darüber aus, ob es im eigenen Leben und Arbeitskontext wirklich funktionieren kann. „Ich möchte Partnerin werden“ ist zunächst eine Richtung. Erst die genauere Auseinandersetzung zeigt, was diese Rolle für die betreffende Person bedeuten soll und unter welchen Voraussetzungen sie attraktiv bleibt.
Das Gleiche gilt für Führung, einen Wechsel oder die Selbstständigkeit. Häufig wird zunächst sehr sachlich über Chancen, Risiken und nächste Schritte gesprochen. Das ist wichtig, greift aber zu kurz, wenn die Person selbst und ihre tatsächlichen Bedürfnisse dabei kaum vorkommen. Wie viel Gestaltungsspielraum brauche ich? Welche Form von Verantwortung möchte ich übernehmen? Welche Arbeitsweise passt zu mir? Wie viel Energie kann und will ich dauerhaft investieren? Welche Unterstützung oder Rahmenbedingungen brauche ich, damit ich in der neuen Rolle nicht nur funktioniere, sondern sie wirklich ausfüllen kann?
Diese Fragen können ein Ziel bestätigen, verändern oder auch zu einer ganz anderen Entscheidung führen. Genau darin liegt ihr Wert. Es geht nicht darum, den vermeintlich ambitioniertesten Weg zu wählen, sondern einen, der fachlich, persönlich und im jeweiligen Kontext trägt.

Vom „weg von“ zu einer Richtung, die wirklich zieht

Viele Coachinganliegen beginnen mit einem deutlichen Unbehagen. Jemand möchte nicht mehr dauerhaft unter Druck stehen, sich nicht länger an einer bestimmten Situation aufreiben oder die eigene Karriere nicht einfach nach äußeren Erwartungen weiterführen. Dieses „So nicht mehr“ ist häufig der Moment, an dem Veränderung überhaupt erst bewusst wird.
Für eine tragfähige Entwicklung braucht es aber mehr als die Abkehr vom Unerwünschten. Die entscheidende Frage lautet: Was soll stattdessen entstehen?
Dann verändert sich die Perspektive. Es geht nicht mehr nur darum, weniger gestresst zu sein, sondern vielleicht darum, Prioritäten klarer zu setzen und Verantwortung anders zu gestalten. Nicht mehr nur darum, sich in Gesprächen unsicher zu fühlen, sondern darum, die eigene Position ruhiger und selbstverständlicher vertreten zu können. Nicht mehr nur darum, aus einer Rolle herauszuwollen, sondern darum, ein Bild davon zu entwickeln, wie die nächste Rolle aussehen und sich anfühlen soll.
Ein Ziel gewinnt dadurch Zugkraft. Es liegt stärker im eigenen Einflussbereich und lässt sich konkreter beschreiben. Ebenso wichtig ist, gemeinsam zu klären, woran Veränderung später tatsächlich erkennbar sein soll: an Entscheidungen, an Verhalten, an Gesprächen, am Umgang mit Druck oder daran, wie jemand sich selbst in der neuen Rolle erlebt.

Eigene Entscheidungen statt Karriere nach Vorlage

An diesem Punkt wird auch deutlich, warum ich Coaching nicht als Beratung verstehe. Ich kann und möchte meinen Klient:innen nicht sagen, welche berufliche Entscheidung die richtige ist. Niemand von außen kennt ihre Situation, ihre Erfahrungen, ihre Ressourcen und ihre persönlichen Grenzen so genau wie sie selbst.
Meine Aufgabe besteht darin, den Prozess so zu strukturieren, dass diese eigene Expertise wieder zugänglich wird. Wir betrachten die Situation mit Abstand, machen Ambivalenzen und Dynamiken sichtbar, beziehen äußere Rahmenbedingungen ebenso ein wie persönliche Bedürfnisse und prüfen, wo tatsächlicher Handlungsspielraum besteht. Auf dieser Grundlage können Lösungen entstehen, die nicht übernommen, sondern selbst entwickelt wurden.
Gerade deshalb sind sie häufig tragfähiger. Wer eine Entscheidung selbst durchdrungen hat, versteht nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Gründe dafür. Das macht es leichter, sie später zu vertreten, in schwierigen Situationen daran festzuhalten und den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen.

Zukunft gestalten heißt nicht, alles vorauszuplanen

Berufliche Zukunft lässt sich nicht vollständig planen. Rollen verändern sich, Organisationen verändern sich und manchmal verändert sich auch die eigene Vorstellung davon, was Erfolg überhaupt bedeutet. Zukunft bewusst zu gestalten heißt für mich deshalb nicht, heute schon den perfekten Karriereweg für die nächsten zehn Jahre zu kennen. Es bedeutet vielmehr, an wichtigen Übergängen nicht automatisch dem nächstliegenden oder erwarteten Schritt zu folgen, sondern bewusst zu prüfen, was wirklich passen soll.
Das kann Partnerschaft sein, Führung, ein Wechsel, die Selbstständigkeit oder ein Weg, der von außen zunächst weniger spektakulär aussieht. Entscheidend ist nicht, ob er einer vorgegebenen Vorstellung von Karriere entspricht. Entscheidend ist, ob die Person ihn aus eigener Überzeugung gewählt hat und die Voraussetzungen kennt, unter denen er für sie tragen kann.

Zukunft gestalten beginnt oft genau dort: bei der Frage, was wirklich entstehen soll – und welchen Teil davon ich selbst in der Hand habe.

AUS ÄUSSEREM ROLLENWECHSEL WIRD INNERE POSITIONIERUNG.

Eine neue Rolle ist formal oft schnell übernommen. Innerlich braucht Entwicklung manchmal länger. Coaching schafft Raum, sich mit Verantwortung, Erwartungen und dem eigenen Führungs‒ oder Karriereverständnis wirklich auseinanderzusetzen – damit aus dem nächsten Schritt ein eigener wird.


Nicht Karriere nach Vorlage. Sondern ein Weg, den du selbst vertreten kannst.

Christiane Starke
Lust auf mehr Klarheit und Gestaltungskraft?
In meinem Coaching unterstütze ich dich dabei, deinen Weg mit Fokus, Souveränität und im Einklang mit deinem Leben zu gestalten.